09. Dezember 2011

Vorbereitungen zur Christgeburt

von Gisela Schäfer

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Als vor langer Zeit Gott der Herr die Geburt seines Sohnes auf der Erde beschlossen hatte, traf er sogleich die Vorbereitungen: Er ließ durch den Engel Gabriel bei Maria aus Nazareth die Einverständniserklärung abholen, gab dem Josef die Idee ein, seine Braut zu heiraten, und dem Kaiser Augustus den Plan, sein Volk zählen zu lassen, und schickte sodann das junge Paar samt dem ungeborenen Kindchen und dem Esel auf die Reise nach Bethlehem.

Als alles so weit in die Wege geleitet war, berief Gott der Herr eine große Himmelsversammlung ein und teilte seinen engelischen Untertanen mit, dass in aller Kürze sein Sohn als Kindlein auf die Erde kommen würde. Da erklang ein solcher Jubel, wie ihn die weiten Himmelsfluren noch nie gehört hatten. Das hosiannate und hallelujate, dass selbst die Wolken und die Sterne von der allgemeinen Freude ergriffen wurden und mitjubilierten. Die Engel klatschten vor Begeisterung zugleich in die Hände und in die Flügel, dass es bis ans Ende des Weltalls schallte.

Nun suchte Gott der Herr die Engel aus, die den Hirten die frohe Botschaft verkünden, und die, die zum Schutz der heiligen Familie den auserkorenen Stall mit Glanz erfüllen sollten, dazu solche, die in der ganzen Gegend aus den Höhen her lobsingen und das hellste Gotteslicht ausstrahlen sollten. Voll Freude stimmten alle zu und verließen dann den himmlischen Versammlungssaal, wo Gott der Herr, ein wenig müde nach der vielen Arbeit, aber doch sehr zufrieden, zurückblieb und sich niederließ, um ein kleines Nickerchen zu machen.

Auf einmal zupfte ihn jemand an seinem langen Himmelsgewande. Erstaunt öffnete er die Augen und erblickte vor sich einen kleinen Engel aus der Himmelsvorschule. „Nanu, was tust du denn noch hier?“, fragte Gott der Herr. „Die Versammlung ist vorbei“. 
„Das weiß ich“, nickte das Engelchen. „Aber ich muss dich unbedingt sprechen, es ist sehr wichtig!“ 
„Na, dann leg mal los!“, sagte Gott der Herr gütig. „Was hast du auf dem Herzen?“ 
„Ich muss auch mit auf die Erde!“, rief das Englein. 
Der Herr lächelte. „Du bist noch zu klein. Um eine solche Arbeit leisten zu können, wie sie hier verlangt wird, muss man eine halbe Ewigkeit im Himmels-Chor mitgesungen und viele Schulungen mitgemacht haben, um das Licht so hell strahlen zu lassen. Das alles musst du noch lernen.“ 
„Ja, ja“, erwiderte der Kleine ungeduldig, „das weiß ich ja. Ich wollte auch nicht Hosianna singen und auch nicht leuchten.“ 
„Was wolltest du denn?“, fragte Gott der Herr. 
„Du hast was vergessen, und das wollte ich machen“, erklärte das Engelkind. „Du hast alles so fein vorbereitet. Der Stall ist ausgesucht, der Ochse und der Esel pusten schon die Luft warm. Josef und Maria sind unterwegs nach Bethlehem, und die großen Engel singen sich schon ein für das Weihnachtskonzert. An alles hast du gedacht, nur nicht daran, dass so ein kleines Kind doch einen Spielkameraden braucht. Nur Erwachsene drum herum, - das ist doch nichts!“ 

Nun war Gott der Herr wirklich nachdenklich geworden. „Das ist mir tatsächlich nicht eingefallen“, sagte er und fuhr fort: „Und dieser Spielkamerad möchtest du sein?!“
„Ja“, nickte das Englein. „Ich kann in der Krippe das Stroh zurechtzupfen, dass es schön ordentlich aussieht, und Ochse und Esel rufen, dass sie in die richtige Richtung atmen und das Kindchen erwärmen, und ich kann dem Kleinen Schlaflieder vorsingen; wir haben im Engelkindergarten schon ganz viele gelernt. Und später kann ich ihm Fingerreime aufsagen, die hat er bestimmt auch gerne. Ich glaube, dass dein Sohn sich sehr freut, wenn er einen Freund hat“. 
Der Herr nickte. „Das glaube ich auch, kleiner Engel. Doch wie heißt du eigentlich? Ich kenne zwar die Namen all der großen Erzengel und Thronen und Herrschaften, das sind viele Hunderte, aber die kleinen Engel kenne ich nicht alle.“ 
„Lachiel“, war die Antwort. 


Da musste Gott der Herr von Herzen lachen. „Das ist ein wunderschöner und passender Name. Mein Sohn hat es später auf der Erde schwer genug. Aber seine Kindheit soll froh werden, und das wird sie auch mit dir an der Seite. Es ist in Ordnung, Lachiel. Mache dich bereit, mit deinen großen Brüdern hinabzufliegen nach Bethlehem. Mein Segen ist mit dir.“


„Danke, lieber Gott“, sagte der kleine Engel strahlend und schwebte stolz und glücklich nach draußen.

 

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